Die Kräutererbin. Jutta Tappeiner Ebner

Alles hängt zusammen. Und genau diese Einstellung ist es, die Jutta und ihr Mann mit in ihren Bio-Anbau nehmen.

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Nals im schönen Südtirol. Gut 2.000 Einwohner leben in der kleinen Gemeinde, die sich zurecht mit Begriffen wie Wein- oder Rosendorf einen Namen gemacht hat.
Wein und Rosen. Beide lassen sich auch mit Jutta in Verbindung bringen, dazu jede Menge anderer Pflanzen und Kräuter. Und Bio-Äpfel.

3 Hektar umfasst der Familienbetrieb, den Jutta „Kräutererbe“ nennt – in Dankbarkeit an das wertvollste Erbe, das ihre Mutter ihr mit auf ihren Lebensweg gegeben hat: die Leidenschaft, mit Kräutern zu leben. Seit letztem Jahr lässt ihre Familie mit dem Weinbau eine alte Tradition wieder aufleben, aber sonst sind es eigentlich ausschließlich Äpfel, die sie hier anbauen. Natyra® – Juttas Liebling – aber auch andere Sorten wie beispielsweise Gala oder Braeburn.

Wer mit Jutta durch ihren Garten am Bacherhof schlendert, merkt schnell, dass die Freude, die sie ausstrahlt, direkt ansteckt. Ruhig geht sie den Kiespfad entlang. Links und rechts wechseln Beete, mal mit Holz eingefasst, mal mit schönen Natursteinen. Rosen wachsen darin, Blumen, Sträucher und Kräuter. Ganz wild, ungezähmt und frei.

„Ein bisschen wild darf es schon sein im Garten“, sagt Jutta, „denn in unserer Welt hat das Wilde oft keinen Platz. Ein Garten gleicht das aus. Er muss Freude bereiten, soll ein Ort sein, an dem man gern ist. Ein Garten ist etwas für die Seele.“

Jutta hat eine starke Verbindung zur Natur. Sie kennt den Boden, die Pflanzen, die hier wachsen. Sie kennt die Kräuter, weiß um deren Heilkraft, um deren Wirkung und Zeichen. Der Ackerschachtelhalm beispielsweise verrät ihr, dass der Boden stark verdichtet ist. Er lockert die Struktur, holt Sauerstoff hinein. Und gleichzeitig ist er eine Heilpflanze. Er heilt den Boden als natürliches Fungizid. Dazu verwendet sie ihn getrocknet, fein pulverisiert als Aufguss, den sie mit Milch und Wasser verdünnt und damit die Pflanzen gießt. Oder als Jauche, um das Blattgewebe zu stärken und die Pflanzen widerstandsfähiger zu machen. So heilt er Boden und Pflanze – und er heilt auch den Menschen, denn mit seinen 10 % Silizium zählt der Ackerschachtelhalm zu den Pflanzen mit dem höchsten Gehalt an Kieselsäure. Damit unterstützt er den natürlichen Erhalt von Zähnen und Knochen (Osteoporose-Prophylaxe), festigt das Bindegewebe, Haut, Haare und Nägel. Und obendrein stärkt er das körpereigene Abwehrsystem.

Mit Wermut macht Jutta ein natürliches Desinfektionsmittel für die Hände, das sie gleichzeitig auch als Deodorant nutzen kann, als Mundspray oder für die Füße. Es entsäuert, wirkt keimhemmend und neutralisiert unangenehme Gerüche. Und mit Rotwein, Rosenblättern, Rosmarin und anderen Kräutern kocht Jutta einen natürlichen Liebestrank.
Giersch, Nelkenwurz, Estragon und Beifuß – jedes Kraut hat seine Bühne, hier auf Juttas Kräuterhof.

Aber auch Juttas Bio-Äpfel haben ihre Bühne.
Und ganz besonders jetzt, wo Jutta den Kurs zur Apfelsommelier gemacht hat. Jetzt kann sie mehr erzählen von ihren Äpfeln, kann die Geschmacksvielfalt richtig gut weitergeben. Sie kennt die Feinheiten, riecht und schmeckt subtile Unterschiede aus den verschiedenen Sorten. Sie macht Apfelführungen für größere Gruppen mit anschließenden Verkostungen. Und sie führt durch die Wiesen und freut sich jedes Mal wieder aufs Neue, wenn sie ihre Gruppe dann hineinbegleitet in ihren schönen Verkostungsraum. Wenn deren Augen strahlen, sobald sie die unterschiedlichen Äpfel sehen, die Vielfalt und irgendwie auch die Schönheit, die in der Frucht steckt. „Ein Apfel“, sagt Jutta, „ist etwas Schönes. Ein Abbild der Vollkommenheit. Er steht für die Fruchtbarkeit, für die Fülle und Lebenskraft!“
Ihr Mann hat vor 30 Jahren umgestellt auf den biologischen Anbau. Immer schon haben sie selbst bio eingekauft, von daher wars auch keine große Entscheidung, selbst auch bio anzubauen. Volle Überzeugung also, durch und durch.

„Bei Bio denkt man mehr in Kreisläufen. Man schaut, nichts wegzuwerfen alles wiederzuverwenden. Alles einzusetzen, was die Natur einem schenkt. Man schaut, dass der Boden gut ist, dass die Mikroorganismen stimmen. Und dass die Pflanze hat, was sie braucht. Dann wird es auch eine gute Frucht.“

„Wir haben das Glück, in und mit der Natur zu arbeiten, so erleben wir den Kreislauf der Natur unmittelbar. Wir spüren, wir sind ein Teil davon, ein Teil vom großen Ganzen. Wie wundervoll!“

Und dann zitiert Jutta die mittelalterliche Nonne und Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen: „Du hast in dir den Himmel und die Erde.“
Und wieder strahlt sie, die Jutta. Und es ist dasselbe Strahlen, das sie hat, wenn sie durch ihren Garten streift. Oder wenn sie mit ihren Gruppen in den Apfelwiesen ist und sie sie dann in den Verkostungsraum holt.

Oder wenn sie uns erzählt von ihren Gästen, die hier am Hof Urlaub machen.
Eine Schüssel mit frischen Äpfeln steht dann immer bereit. Zum Zugreifen. Zum Reinbeißen. Und sie gibt gern auch eine Tasche voller Äpfel mit nach Hause.
Eine Tasche voller Äpfel. Und in jedem von ihm stecken Himmel und Erde.
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